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Sanierung und Erweiterung Volksschule Kirchdorf Höchst

2016

Bildung

6973 Höchst, AT

1. Preis EU-weiter Wettbewerb

Gemeinde Höchst

      • Zur Lage

        Die gegenwärtige gewachsene Dorfstruktur der Rheindeltagemeinde Höchst besteht aus einer Vielzahl von gestalterisch unterschiedlichsten, gut vernetzten Außenräumen, die sich vom Kirchplatz entlang der Franz Reiter Straße bis zur Volksschule Kirchdorf gehaltvoll überlagern. DiePorositätdieser urban - dörflichen Orte entsteht und gewinnt erst durch diese alles überlagernde Verflechtung. Der mehrfach überlagerte, kommunale Kern ist hier neben den nahen bestehenden wirtschaftlichen Zentren integrativer Bestandteil dieses Gefüges. Der Kirchplatz mit der ”alten Schule”, Pfarrheim, Häusern der Kulinarik, Kindercampus sowie Sozialzentrum und Pflegeheim bilden mit den Gebäuden der Volksschule Kirchdorf einen Dorfanger, eine Allmende, die mit der Kirche St. Johann und den bestehenden differzierten Außenräumen ein erlebbares kommunales Zentrum schaffen. Die Durchlässigkeit ist aber nicht nur Absicht einer dörflichen Integration, sie ist auch in hohem Maße ein wesentlicher Teil der Identifikation. Es sind Gebäude für unterschiedlichste Generationen, die in starken ortsräumlichen und nutzungsübergreifenden Bezügen stehen und trotzdem selbständige Einheiten bilden. Gemeinsam ist ihnen die zentrale Erschließung über die Allmende, dem ”shared space” entlang der Franz Reiter Straße. Auch der bestehende Schulsammelplatz sowie der neue Schulplatz der Phase 2 sind Teil dieses Gefüges mit eindringlichem Blick auf den höchsten Kirchturm Vorarlbergs, der fußläufig im Zentrum angenehm integriert ist. Die Kirche St. Johann ist aber auch unabhängig ihres Maßstabs Teil des kollektiven Gedächtnisses der Rheindeltabewohner und liegt in der südlichen Nähe des alten und zukünftig neuen Schulgebäudes, das sich raumbildend mit dem Bestand nach dieser richtet. Durch das Beibehalten und der behutsamen Ergänzung des Schulsammelplatzes in der Phase 1 sowie der Festigung dieser Ausrichtung werden ausgeprägte ortsräumliche Bezüge erhalten.

        Phase 1

        Zentrales Element der ersten Umbauphase bildet der Abbruch der mittigen Glasfassade im Gebäudeteil B und die moderate räumliche Ergänzung in diesem Bereich nicht ohne die mögliche Ergänzung der Phase 2 unberücksichtigt zu lassen. Dabei wird die bestehende Zweigeschossigkeit vor den Stiegen und den Klassenräumen zu Gunsten einer flächenmäßigen Erweiterung aufgegeben. Neben der akustischen Verbesserung dieser Gebäudeteile entstehen hier vor den Klassenräumen Lernlandschaften, die durch eine in hohen Maß flexible Möblierung Möglichkeitsräume entstehen lässt, die sich an den wechselnden Tagesablauf eines Schulalltags anpassen lassen. Diese Überlegungen treffen auch auf die drei östlichen Klassenräume im Erdgeschoss zu. Die Aula, die fließend in den Vorbereich des umgebauten Lehrerzentrums im Westen übergeht öffnet sich in die teilüberdachten Freibereiche des Südens, den Sammel- und Pausenhof mit eigenem Schulgarten. Für Großveranstaltungen soll nach wie vor der vom Umbau unberührte große Turnsaal im nördlichen Gebäudeteil verwendet werden. Die wohl größte Intervention im Gebäudeteil A bildet der Einbau eines Liftprovisoriums im bestehenden Stiegendurchbruch an der östlichen Fassade. Dabei wird eine modulare Stahlkonstruktion mit Liftkorb als wiederverwendbares Implantat eingesetzt. Die restlichen baulichen Maßnahmen beschränken sich auf maßvolle Ergänzung bzw. räumliche Umwidmung. So entsteht im ersten Obergeschoss ein Cluster mit vier Klassen und einer Lernlandschaft nach Osten.

      • Das Erdgeschoß enthält vorwiegend Sonderunterichtsräume. Da die bestehende Eingangssituation in der Phase 1 von der Franz Reiter Straße und dem bestehenden Sammelplatz unangetastet bleibt und nur durch leichte Überdachungen ergänzt wird sind die Garderoben zentral an diesem Drehpunkt im abgesenkten Halbgeschoss untergebracht. Die gesamten baulichen Maßnahmen der räumlichen Ergänzungen werden in hohen Maße in einer vorgefertigten Holz- und Stahlkonstruktionen errichtet.

        Phase 2

        Neben der Stärkung und Verdichtung der zuvor beschrieben ortsräumlichen Bezüge zur Kirche St. Johann und der Eingliederung in das Gebäudeensemble der Allmende entlang der Franz Reiter Straße versteht sich diese Ergänzung als ein ”Weiterbauen”, als eine Vervollständigung der Idee der Architektengruppe C4. Dabei wird die räumliche Sequenz des Bestandes quasi gespiegelt und um einen Patio zusammengefasst. Die Räume der Phase 1 im Gebäudeteil B bleiben im Wesentlichen bestehen. Die Erdgeschoßklassen im Osten sowie die bestehende Aula erhalten baulich unberührt eine neue Nutzung. Zwischen Pflegeheim, Schule und Spielplatz an der Seite des Sozialzentrums entsteht eine räumliche Aufweitung, die einprägsam den neuen Eingang Richtung Zentrum markiert. Die neue zentrale Aula schafft rasch Überblick über die Genese des Hauses und gibt über den tiefer liegenden kleinen Turnsaal die Blicke frei auf die Sportflächen im Osten. Sonderunterrichtsräume und die bestehende Verwaltung umringen den Patio im Erdgeschoss an deren Längsseiten sich die neuen Garderoben befinden. Das Obergeschoss - die vier Vogelnester (Cluster) - bleibt den Kindern und den verwobenen Lernlandschaften vorbehalten.

        Epilog

        Kinder verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Kindheit in der Schule, sie durchleben in der Schule entscheidende Phasen ihrer Entwicklung. Das dort praktizierte Lernen und Schulleben legt den Grundstein für lebenslanges Lernen, für die Freude am sich Bilden und Weiterbilden sowie für eine aktive Teilnahme an der Gesellschaft und dem Verständnis zur Inklusion. Schulen sind daher heute Arbeits- und Lernlandschaften, Orte der Begegnung, Orte zum Verweilen und sollen vor allem Orte sein, an denen Kinder miteinander wachsen und Gemeinsinn entfalten können. In Bewegungs-, Spiel-, und Erfahrungsräumen lassen sich dann Kreativität und Phantasie entfalten.

        aus dem Jurybericht

        "... Die Qualitäten des Bestandsgebäudes der C4-Schule bleiben erhalten und der Grundansatz des Entwurfes baut darauf auf. Die Glasfassade im Hof wird abgebrochen. Direkt vor den bestehenden Klassen werden großzügige und schlüssig zugeordnete Lernlandschaften geschaffen. Die Positionierung und Anordnung der Au la zum Innenhof überzeugt. Der Hof bleibt erhalten und wird in der 2.Phase zu einem schlüssigen Gesamtkonzept ergänzt. Das dabei der Neubau auf Fuge mit eigener Formensprache unter Beibehaltung des Habitus des Bestandes vorgeschlagen wird, wird seitens der Jury als stimmig erachtet. Die neue Schule weist trotz Umbau und Erweiterung gesamthaft die Qualität eines Neubaus auf, ohne den geschichtlichen Ablauf der Bauphasen in der Fassade verleugnen zu müssen."