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Wohnbebauung Lourdes 3 Serfaus

2019 - 2022

Wohnbau

6534 Serfaus, AT

1. Preis geladener Wettbewerb

Hilti & Jehle GmbH / NHT Neue Heimat Tirol

      • Am Eingang von Serfaus liegt knapp unterhalb der bestehenden Siedlung Lourdes ein kleines aufgeschüttetes, flaches Geländeplateau mit eindrücklichem Blick auf die Ötztaler Alpen. An dessen Rand fällt die Hangkante nach Osten tief ins Oberinntal hinab, nach Süden verbindet tiefer liegend der Matinesweg, der im Winter zur Loipe wird, das Zentrum mit dem Saum des Dorfes. Noch rascher erreicht man in fußläufiger Nähe den umtriebigen und auch von Verkehr belasteten Brennpunkt von Serfaus im Untergrund. Serfaus, die einzige österreichische und damit zweite Gemeinde - nach Wien - kann sich stolz Besitzerin einer U-Bahn nennen und darüber hinaus zugleich über die höchstgelegene Luftkissenbahn der Welt freuen.

        Dieser modern urbane Charakter verbindet sich übergangslos mit der Sehnsucht nach einer längst vergangenen dörflichen Idylle. Ehemalige Antagonisten verbinden sich heute im Dialog zu einem utilitaristischen Ganzen. Diese Geradlinigkeit und Offenheit reflektiert auch die Struktur und das äußere Erscheinungsbild der neuen Bebauung Lourdes 3 wieder.

        Zentrales Thema bildet dabei die Bildung eines Quartiers von hoher Unverwechselbarkeit, einer Siedlung mit einer Mitte der Integration. Diese Ordnung dient aber nicht nur der einfachen Wiedererkennbarkeit, sie ist vielmehr verbindendes Gestaltungsmittel für verschiedene Lebensentwürfe, sie soll Segregation mindern und das Gemeinsame fördern.

      • Zwei Gebäude folgen im rechten Winkel den Hangkanten im Osten und Westen um sich an deren Eckpunkt in zwei Punkte aufzulösen. Diese flache Zweigeschossigkeit spannt mit einem gegenüberliegenden dreigeschossigen Solitär eine verkehrsfreie Allgemeinfläche auf. Das Quartier erhält durch diese städtebauliche Intervention einen Anger, ein Art Gemeinbesitz, der am Rande des Dorfes ein kleines Zentrum bildet, das sich durch seine Porosität den nahen, umgebenden Landschaften öffnet.

        Im westlichen Bauteil befinden sich 19 Wohnungen, im Süden 6 Reihenhäuser und im Osten wird die Topographie so genutzt, dass sich Hangseitig über drei Geschosse 21 Wohnungen dem Oberinntal öffnen. Die Wohnungen sind in ihrer inneren Orientiertheit wie auch in ihrer Ausrichtung vielfältig und verfügen alle über großzügige Terrassen.

        Der motorisierte Verkehr wird entlang der Aufschließungsstrasse an der westlichen Zufahrt konzentriert (73 Pkw Tiefgaragen- und 20 oberirdische Pkw Parkplätze), der Rest der Flächen ist dem Fußgeher und dem Fahrradfahrer vorbehalten. Das äußere Erscheinungsbild ist rural städtisch. Die monolithische Tektonik der grobputz Lisenen in erster Ebene folgen mehrere Schichten des feinhaptischen Holzes. In einem ordnenden harten ”grid” werden - ähnlich einem Setzkasten - entsprechend der tatsächlichen Nutzung die Füllungen in Holzbauweise eingefügt.