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Sozialzentrum Haus Klosterreben Rankweil

2009 - 2011

Pflege/Gesundheit

6830 Rankweil, AT

1. Preis EU-weiter Wettbewerb

Marktgemeinde Rankweil

Fotocredits: Bruno Klomfar, Büro D\M

    • architektur.aktuell 2012
    • High on… Light + Architecture
    • Städtebau/Architektur

      Das neue Sozialzentrum Rankweil bildet mit den bestehenden Gebäuden (Gasthaus Hörnlingen und Metzgerei Schäfer) stadträumlich einen neuen Platz, einen Raum, der sich zur Bahnhofstrasse öffnet und sich in die vielen fußläufig gut erreichbaren  Funktionen dieser Strasse (altes Kino, Gasthaus Freschen, Bäckerei u.v.m) einreiht. Zwei tief ins Gebäude reichende Öffnungen prägen die Struktur des zweigeschossigen Gebäudes. Sie markieren kommunikative Freibereiche, der eine lässt von Süden die Natur tief ins Innere des Gebäudes drängen, der andere öffnet sich nach Westen und ist intimer.

      Architektur/Funktion

      Der Vorplatz fließt, begleitet von einem Brunnen, ins Innere zum zentralen Foyer. Um dieses reihen sich in beiden Geschossen die einzelnen Wohngruppen, im Erdgeschoss der Empfang, ein Mehrzweckraum und die Kapelle. Der Entwurf für die Wohngruppen folgt im wesentlichen dem Wunsch des Dementen nach Licht, Orientierbarkeit und Abwechslung. Die einzelnen Zimmer jeder Gruppe umarmen  L–förmig  die öffentlichen Bereiche wie das Wohnzimmer, die Ess- und Kochbereiche etc. Ähnlich einem Möbel sind diese gemeinsam genutzten Zonen flexibel, sollen Anpassungen und Mehrfachnutzungen zulassen ohne die nach außen gerichtete Privatheit der Zimmer zu beeinträchtigen. Über die ins Gebäude reichende Öffnungen wird der eigenständige Charakter der Gruppen, trotz Blickkontakt zum Nachbarn erreicht. Entsprechend der Ausschreibung umschließen zwei Wohngruppen im Erdgeschoss den ”Beschützten Garten” mit Terrassen, Hochbeeten und gärtnerischer Didaktik. Diesem nach Süden offenen kommunikativen Bereich steht der intimere, nach Westen gerichtete Therapie- und Gymnastikhof gegenüber. Das Untergeschoss, als „Sockel“ ausgebildet für die oberirdischen Geschosse, beinhaltet neben der Tiefgarage die Großküche sowie die Wäscherei, die Räume für das Personal und Lagerräume. Ein großer, teilbarer Raum für therapeutische Zwecke ist zum Innenhof gerichtet, welcher bis ins UG reicht, und wird von diesem belichtet.

      Konstruktion

      Flachgründung eines unterkellerten 2-geschossigen Bauwerkes in Stahlbetonskelettbauweise. Keller in Massivbauweise. Begrüntes Flachdach. Die geschlossenen Anteile der Fassade bestehen aus weißem, oberflächenbehandeltem Beton, offene Fassadenbereiche aus einer Holz-Glasfassade.

      Materialität

      Die äußere Hülle wird von der Farbe des weißen Sichtbetons und von der mäandernden Struktur der vorgefertigten Holz-Glaspaneelelemente geprägt. Im Inneren dominieren warme, haptische Materialen. Der Mäander ist sowohl von außen als auch im Inneren wahrnehmbar. Aus ihm entwickeln sich in den Zimmern Nischen deren tiefe Fensterbank eine Ablage wie ein Tisch ausbilden. 

      Fassade

      Die Fassade besteht aus Feldern mit fest verglasten und öffenbaren Fensterflächen welche in einem rhythmischen Wechselspiel vor- und zurückspringen. Dadurch erhalten die Glasflächen der Fassade eine reliefartige, dreidimensionale Struktur. Ein mäandrierender Rahmen aus eloxiertem Alu und Holz bildet das verbindende Element, welches diese Glasfelder wie ein Band zu einem großen Ganzen zusammenfasst. Modernste Glastechnologie mit Ganzglasoptik der Firma Walch, gepaart mit professioneller Holzbautechnik von Kaufmann Bausysteme, ermöglichen es, diese fassettenreiche Fassade zu realisieren.

      aus dem Jurybericht

      "... dem Verfasser gelingt das Kunststück – trotz der durchgehenden Zweigeschossigkeit – eine sehr luftige, lockere Anlage mit schönen grosszügigen Aussenräumen zu schaffen. Besonders anerkannt wird der gute ortsräumliche Bezug zur Bahnhofstrasse und zu den umgebenden Gebäuden sowie der gute zusammenhängende Grünraum im Südosten. Die Raumabfolge und die Blickrichtungen im Foyerbereich bestechen, der Mehrzweckraum ist gut positioniert, die Wohnbereiche in den einzelnen Gruppen sind vielfältig orientiert und gut geschnitten. Der leichtfüssige architektonische Ausdruck überzeugt und lässt eine hochwertige Wohnqualität in Innen-und Aussenräumen erwarten..."

    • Eine Aufgabe für viele - die Rolle der Bauherren

      Die Marktgemeinde Rankweil mit über 11.000 Einwohnern liegt im Herzen des Rheintals in Vorarlberg. Qualitätvolle Architektur hat in Rankweil Tradition. Ein hohes Gestaltungsbewusstsein und ein sorgfältiger Umgang mit städtebaulichen Fragen ist hier Bekenntnis und Programm, verknüpft mit der Person des Bürgermeisters Martin Summer. Aus dieser Haltung heraus wurde ein EU-weiter Wettbewerb ausgeschrieben, um eine ideale Lösung für den Neubau des Sozialzentrums Haus Klosterreben Rankweil zu finden.

      Die im Siegerprojekt vorgeschlagene städtebauliche räumliche Erweiterung wurde vom Bürgermeister mit ebenso viel Gefühl der Bevölkerung vermittelt wie die Bedeutung der Umsetzung der gehaltvollen Architektur des Wettbewerbsbeitrags. Die Gemeinde errichtete im Baurecht mit grossem Engagement und Freude das neue Gebäude, in dem schlußendlich 5 Wohngruppen mit insgesamt 60 Pfelgebetten eine neue Heimat fanden. In langen fruchtbaren Diskussionen mit der Heimleitung und unter der wirksamen Unterstützung der Zuständigen der Gemeinde wurde ein Projekt entwickelt, das heute das Potential aufweist die unterschiedlichen Ansprüche von verschiedenen Bewohnern konfliktfrei zu befriedigen. Dieser Ort der Kommunikation und Begegnung wurde in diesem Sinne von allen erfolgreich erobert. Bemerkenswert ist letztendlich unserer Meinung nach, dass das intensive Zusammenspiel von Bauherr, Nutzer, Architekten, künstlerischer Gestaltung und der Freiraumplanung ein reichhaltiges räumliches Angebot anbietet und den Ort für die Menschen im und um das Gebäude städtebaulich bedacht erschließt.

      Ein philanthropischer Aufbruch - eine gestalterische Herausforderung für Generationen

      In den jüngsten Jahren ist die Betreuung und Heilung älterer im besonderen dementer Menschen immer stärker in den Vordergrund gerückt. Im Jahr 2050 wird ein wesentlich grösserer Teil der Menschen über sechzig das Bild der österreichischen Gesellschaft prägen als noch heute - aber die Krankheitsbilder des Alterns bleiben dieselben. Auch aus diesem Grund sind in den letzten 10 - 15 Jahren die verschiedensten Modelle zum betreuten Leben im Alter angedacht worden. Allen gemeinsam war das Ziel ein Leben in größtmöglicher ”Normalität” zu führen.  Trotz zum Teil massiver körperlicher bzw. geistiger Behinderung soll ein Umfeld für den Alltag geschaffen werden, das sich dem bis dahin geführten Leben annähert. Das Krankheitsbild, das eine langsam zunehmende Desorientierung im Alltag bedeutet, ist betreuungsintensiv. Hier trifft die gestalterische Beweglichkeit und eine gewisse Experimentierfreudigkeit des Architekten auf die Welt der Bewohner und der Betreuer. Der philanthropische Aufbruch bestand schließlich darin sich von den vorhandenen Paradigmen und traditionellen Grundrissmustern eines Altenheims zu entfernen und ein neues Feld zu betreten, das sich mit Blick auf die eingeschränkte Mobilität, dem hohen Bedürfnis nach Orientierung und der Selbstbestimmtheit des betagten Menschen auseinandersetzt. Dabei hat ein dichtes Angebot an sinnlichen Reizen einen ebenso zentralen Einfluß, wie die soziale Kontrolle und die angemessene Privatheit. Das Ziel des Entwurfes war es also aus diesen Überlegungen räumliche Qualitäten zu generieren. Wie die zwei tief ins Gebäude reichende Öffnungen, die die Struktur des zweigeschossigen Gebäudes prägen. Sie markieren kommunikative Freibereiche, der eine lässt von Süden die Natur tief ins Innere des Gebäudes drängen, der andere öffnet sich nach Westen und ist intimer. Der Vorplatz scheint ins Innere des Gebäudes zu fließen und bildet dann das zentrale Foyer. Um dieses reihen sich in beiden Geschossen die einzelnen Wohngruppen. Im Erdgeschoss befindet sich zudem auch noch die Verwaltung, der Mehrzweckraum und die Kapelle. Der Entwurf für die Wohngruppen folgt im wesentlichen dem Wunsch des Dementen nach Licht, Orientierbarkeit und Abwechslung. Die einzelnen Zimmer jeder Gruppe umarmen  L–förmig  die öffentlichen Bereiche wie das Wohnzimmer, die Ess- und Kochbereiche etc. Ähnlich einem Möbel sind diese gemeinsam genutzten Zonen flexibel, sollen Anpassungen und Mehrfachnutzungen zulassen ohne die nach außen gerichtete Privatheit der Zimmer zu beeinträchtigen. Über die ins Gebäude reichende Öffnungen wird der eigenständige Charakter der Gruppen, trotz Blickkontakt zum Nachbarn erreicht. Entsprechend der Ausschreibung umschließen zwei Wohngruppen im Erdgeschoss den ”Beschützten Garten” mit Terrassen, Hochbeeten und gärtnerischer Didaktik. Diesem nach Süden offenen kommunikativen Bereich steht der intimere, nach Westen gerichtete Therapie- und Gymnastikhof gegenüber. Das Untergeschoss, als „Sockel“ ausgebildet für die oberirdischen Geschosse, beinhaltet neben der Tiefgarage die Großküche sowie die Wäscherei, die Räume für Personal und Lagerräume. Ein großer, Raum für therapeutische Zwecke ist zum Innenhof gerichtet und wird von diesem belichtet.

      Eine städtebauliche Chance - ein neues, erweitertes Zentrum

      Das neue Sozialzentrum Rankweil bildet mit den bestehenden Gebäuden (Gasthaus Hörnlinger und Metzgerei Schäfer) stadträumlich einen neuen Platz, einen Raum, der sich zur Bahnhofstrasse öffnet und sich in die vielen fußläufig gut erreichbaren Funktionen dieser Strasse (Altes Kino, Gasthaus/Hotel Hoher Freschen, Bäckerei u.v.m) einreiht.

      Eine sinnliche Erfahrung - Form, Material, Oberflächen

      Die sinnlichen Reize verändern sich mit zunehmendem Alter. Die Wahrnehmung der Welt des betagten Menschen ist eine reduzierte und es wird zunehmend schwieriger die sechs Sinne - so sie noch funktionieren - zu koordinieren.  Dabei spielt die haptische Erfahrung eine Sonderrolle, da sie im Gegensatz zu den anderen (Sehen, Hören usw.) schlechthin keinem Alterungsprozess unterliegt. Dieser Ansatz bildete die zentrale Basis für den gesamten Planungsprozess aus dem sich Form, Material und Oberflächen ableiten. Ein weiterer Aspekt bildet die Tradition der Vorarlberger Dörfer, in der öffentliche Gebäude wie das Gemeindeamt, die Schule, das Altenheim etc im Gegensatz zu anderen Gebäudetypologien immer massiv gebaut wurden. Diese Überlegung wurde auch für die Wahrnehmung des neuen Gebäudes übernommen. Ähnlich einem Kunststeinmonolith wurde die äußere weiße Sichtbetonstruktur bearbeitet. Er wurde ausgehöhlt, aufgeschnitten, durchbrochen und bildet schlußendlich das Bindeglied zwischen den drei wesentlichen Materialien Sichtbeton - Holz - Glas. Es entstand eine aufgeraute, warme, haptische weiße Betonoberfläche mit einer äußeren Hülle aus weißem Sichtbeton die von der mäandernden Struktur der vorgefertigten Holz-Glaspaneelelemente geprägt wird. Der Mäander ist sowohl von außen als auch im Inneren wahrnehmbar. Aus ihm entwickeln sich in den Zimmern Nischen deren tiefe Fensterbank eine Ablage wie ein Tisch ausbilden. In den öffentlichen Bereichen der Hauses wurden im Zuge des Kunst am Bau Projektes mit Schriftzügen bedruckte Gläser verwendet, die zum Einen dem Bewohner den notwendigen visuellen Halt geben, zum Anderen die Räume reichlich mit Licht versorgen und dem Bewohner die Möglichkeit des Mentalen Trainings geben, da es sich um Mundartsprüche handelt. Dies alles wirkt sich für den Krankheitsverlauf und die Genesung des Dementen sehr positiv aus. Die Verwendung von Holz und warmen, hellen Farben wird im Inneren konsequent weiterverfolgt und vermittelt den Bewohnern das Gefühl von Geborgenheit und Wärme. Die wohnlich anregende Aura der gemeinsam genutzten Bereiche wird durch das lebhafte Spiel des Tageslichts, das über die großen verglasten Gebäudeeinschnitte hereinflutet, erzeugt. Sitzbänke, Sofas, private Accessoires und die markanten, raumhohen ”Wandstücke” (fotografisch festgehaltene Urlaubsmotive einer Postkarte) des Künstlers Gerhard Klocker zwischen den einzelnen Zimmern verstärken diesen Charakter.